standort kirchhofmauer st. suitbert
friedrich spee denkmal kaiserswerth

Düsseldorf, OT Kaiserswerth, westl. im Ort, Innenseite Kirchhofmauer Basilika St. Swidbert (ehem. Stiftskirche Suitbertus)

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A: Höhe 1,32 m, Br. 0,42, Grabkreuz aus Sandstein für den am 15. August 1667 entschlafenen 63-jährigen Petter Duckdalff, B: Höhe 0,73 m, Br. 0,40, Steinkreuz aus Sandstein mit fragmenthaft erhaltenen Zeichen, dessen Zweck nicht ermittelt werden konnte, C: Höhe 1,34 m, Br. 0,30, Steinkreuz aus Sandstein mit Inri- Schriftband am Kopf, darunter eingehauene Buchstaben im Zusammenhang nicht mehr lesbar, Zweck ebenfalls unbekannt (Verf.)

Quellangaben: Lit.: Internet:

D: an Chorwand Ostseite Basilika St. Swidbert (ehem. Stiftskirche Suitbertus) ‘Friedrich Spee - Denkmal’

Höhe 2,50 m, Br. 1,20, Bronzeskulptur des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim, 1991 gesegnet zur Einweihung durch Joachim Kardinal Meisner, anlässlich des 400. Geburtstages des in Kaiserswerth geborenen Philosophen und Moraltheologen Friedrich Spee (Jesuit, *25. Februar 1591, + 7. August 1635 in Trier) Autor der berühmten Schrift CAUTIO CRIMINALIS, die im April 1631 in Rinteln vom Universitätsbuchdrucker Peter Lucius ohne Approbation gedruckt wurde; in der Zeit der ausufernden Kulmination der Hexenprozesse in Deutschland, etwa 1. Hälfte des 17. Jh., wagte F. Spee, als einer der wenigen  Christen im christlichen Sinne, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern; seine Klagepunkte richteten sich hauptsächlich gegen die unmenschlichen Praktiken bei den Hexenprozessen, speziell die der Anwendung der Folter, worüber er schreibt: ‘mit der Folter kann man zu jedem gewünschten Ergebnis gelangen. Viele Richter sind frech, habgierig, unwissend und blutgierig. Das Konfiszieren der Hexengüter muss aufhören und damit die Straflosigkeit der ungerechten Richter. Das Geständnis darf nicht erpresst werden. Die Folter ist eine Schande vor Gott und gegen die Gerechtigkeit. Richter und Henker quälen die Unglücklichen so lange, bis sie sich für schuldig bekennen, obwohl sie nichts getan haben. Nie kann man mit der Tortur die Wahrheit erforschen. Sie ist abzuschaffen. Ihre Anwendung darf nicht der richterlichen Willkür überlassen bleiben. Mit dem Blut von Menschen darf man nicht spielen’ (Quelle: H. - J. Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, S. 709)

(Universität Rinteln, südl. Stadtgebiet, um 1870 abgerissen für Neubau des Gymnasium)

die Skulptur zeigt Spee eine gefolterte, dem Tod geweihte Frau haltend, in der linken Hand die Cautio Criminalis, ein Fuß auf dem 1487 veröffentlichten Werk ‘Der Hexenhammer’, eine im Einvernehmen mit Papst Innocenz VIII. von Jacob Spenger und Heinrich Krämer veröffentlichte Schrift zur Legitimation und Führung von Hexenprozessen, randumlaufend Folterwerkzeuge und -gerätschaften

F. Spee’s mutige Veröffentlichung, indem er Gefahr lief selbst in die Fänge der Inquisition zu geraten, wenn auch vorerst als unbekannter Verfasser der Cautio Criminalis, verdient absolute Hochachtung; weit über die Grenzen des damaligen Zeitgeistes hinaus blickend, zeigt er auf, wie auch nachweislich einige andere, die Erkenntnis des unsinnigen Glaubens an nicht existierende Teufel und Hexen, den Wahnwitz der Hexenprozesse; hier lässt sich ein interessanter Vergleich zu MARTIN LUTHER ziehen, dem großen deutschen Reformator, der etwa ein Menschenalter vor ihm lebte und, heute gerne verschwiegen, an Hexen und Teufel glaubte; als entschiedener Befürworter bzw. Förderer der Hexenverfolgungen in Deutschland unterliegt er den unzähligen aberwitzigen Ammenmärchen über angebliche Fähigkeiten vermeintlicher Hexen und Zauberer, wie u. a. Schadenzauber, Wetter-, Mäuse-, Krötenmachen, Milch- und Butterzauber oder Hexenflug; weiter gibt er vor, der Teufel sei ‘tägliche Erfahrung’, bereits Neugeborene sind von ihm besessen und der Taufzweck ist der Exorzismus; von der Kanzel doziert er ‘...die bösen Teufelshuren stehlen Milch, machen Wetter, martern die Kinder in der Wiege und bezaubern die ehelichen Gliedmaßen’ oder ‘...der böse Geist könne die Zauberinnen schwängern’; freilich offenbart sich daraus, dass Luther trotz seiner anstudierten Intelligenz ein Mann des Volkes geblieben ist; er vermochte es nicht, wie später F. Spee, über die Grenzen des Zeitgeistes zu sehen; mittels seiner Autorität infiziert er landesweit Tausende leichtgläubige und einfältige Prediger, die ihm vorbehaltlos nacheifern; im Juni 1540 zeigen sich in seinem Umfeld die Folgen, in Wittenberg werden vier Hexen und Zauberer verbrannt                                  (Verf. frei nach Lit. H.- J. Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, S. 98/ 995)

Quellangaben: Lit.: 1. Hans-Jürgen Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, 1995, S. 704-709 (Cautio Criminalis), S. 55-58 (Der Hexenhammer), S. 98/959, Internet:          1. ...rp-online. de-Ein Denkmal für die Menschlichkeit von Julia Brabeck, 20. August 2013

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standort
kopie hinweistafel in situ

Essen, OT Horst, ca. 100 m nordwestl. des Hauses Horst innerhalb des Grundstückes, westseitig an der Zufahrt, ca. 30 m vom Tor, ‘Mordstein’

Obertägige Maße: Höhe 0,85 m, Br. 0,68, T. 0,08, das markant breitflächige Steinkreuz aus Ruhrsandstein besitzt volutenförmig gestaltete Zierwinkelstützen (vergleichbare Steinkreuze im Raum Rüthen, s. Rüthen-Bibertal) und zeigt auf der Vorderseite eine eingerillte, teilweise interpunktierte Inschrift in Versalien, wobei materialbedingt durch Korosion einige Passagen ausgegangen sind; anhand älterer Fotos ist der gesamte Text bekannt:

‘ANNO .1717. / ZWISCHEN DEM / VIERTEN UND FUENFTEN MAY / IN DER NACHT ZWISCHEN .11 . UND / .12. UHR IST DER EHR UND ACHDBARE / DER BAUKUNST ERFAHRNE / MEISTER CONRAD FISCHER AUF / DISEM PLATZ DURCH REYN / HARD COP UND / SEINE MITCAMER / ATEN JEMMERLICH / ERMORDED / WORDEN’

das Denkmal steht evtl. nicht mehr auf seinem ursprünglichen Standort, bis 1900 etwa näher zum ehem. Schloss Horst (Quelle: ...media.essen.de)

nach der volkstümlichen Überlieferung war der Mörder als Knabe bettelnd auf das Schloss gekommen und dort Knecht geworden; er liebte die Magd Gertrud, musste aber wegen eines Diebstahles fliehen und wurde im Rheinland Führer einer Räuberbande; Gertrud heiratete den Schlosszimmermann Konrad Fischer; nach Jahren kam Reinhard Cop zurück, um Gertrud zu holen, wurde aber überwältigt und festgesetzt; in der folgenden Nacht drangen seine Kumpane mit List in das Schloss ein und befreiten ihren Hauptmann; die Burgleute setzten sich zur Wehr, dabei erstach Reinhard seinen Nebenbuhler; der Schlossherr liess dem Toten das Gedenkkreuz errichten (Lit. W. Brockpähler)

Die genaue Entstehungszeit von Haus Horst ist unbekannt. Es ist möglich, dass es ein Nachfolger der unmittelbar benachbarten Vryburg war, jedoch konnte diese Vermutung bisher nicht wissenschaftlich belegt werden. Beide Anlagen liegen an einer alten Furt über die Ruhr an einer Abzweigung des im Mittelalter bedeutenden Hellwegs. Möglicherweise sollten sie diese kontrollieren und schützen. Das Geschlecht der Herren von Horst ist seit dem 12. Jahrhundert belegt. Deren Mitglied Heinrich von Horst wird im Jahr 1280 als Drost der Grafen von Berg genannt. 1282 ist sein Bruder Hugo als Marschall der Essener Fürstäbtissin Berta von Arnsberg belegt. Die Familie war damit in den Stand von Ministerialen aufgestiegen, was dem Rang eines unfreien Ritters entsprach. Damit gehörte sie zu den bedeutendsten Geschlechtern im Gebiet des Reichsstiftes Essen. Der Adelssitz Haus Horst wird jedoch erst in Urkunden des 14. Jahrhunderts genannt, zuvor stand auf dem Areal ein bäuerliches Anwesen (Textquelle: ...wikipedia.org-wiki-Haus Horst)

Quellangaben: Lit.: 1. Wilhelm Brockpähler, Steinkreuze und Kreuzsteine in Westfalen, Münster 1963, S. 100 (unter Essen-Steele), daraus: 2. Reinhold Grasreiner, Im Herzen des Ruhrlandes, Wattenscheid 1929, H. 2, S. 45, Internet: 1. ...media.essen.de-media-Denkmalliste Stadt Essen, Mordstein Haus Horst, S. 1-6 m. Abb., 2. ...wikipedia.org-wiki-Haus Horst (Essen)

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